Bundesligarechte neu vergeben – und der Fan schaut in die Röhre

Gestern wurden die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2016/17 vergeben. Erstmals durften nicht alle zur Verfügung stehenden Pakete von ein und dem selben Anbieter gekauft werden. Dies steigert die Einnahmen, die die DFL generieren und an die Vereine weiter geben kann, enorm. Großer Gewinner: Die Vereine. Großer Verlierer: Sport1 und vor allem der Zuschauer.

Sky bekommt also die allermeisten Liverechte bzw. behält diese. Die 34 Freitagsspiele sowie die insgesamt zehn Ausweichspiele Sonntags 13:30 Uhr und Montags 20:30 Uhr bekommt Eurosport. Diese werden dann aber nicht im empfangbaren Eurosport gezeigt, sondern im PayTV-Sender Eurosport2. Immerhin die Sportschau im Ersten und das ZDF Sportstudio bleiben bestehen. Online zu sehen werden die Spiele auch weiterhin live nur bei SkyGo. Um dieses Recht zu behalten, verzichtet Sky auf die Freitags- und die Ausweichspiele, denn alles hätten sie nicht kaufen dürfen.

Gewinner sind damit ganz klar: die Vereine. Durch die höheren Verkaufspreise der Rechte, werden sie zukünftig noch mehr Einnahmen erhalten und damit – scheinbar – konkurrenzfähiger zur englischen Premier League bleiben/werden. Auch Sky darf sich unter den gegebenen Umständen als Gewinner bezeichnen. Zwar verliert Sky einige Spiele, aber das war aufgrund der neuen Vergaberichtlinie nicht zu vermeiden. Dennoch bleiben sie auch für die nächsten Jahre der große Player im Bundesligageschäft. Vor allem das immer wichtiger werdende Online-Übertragungsrecht bleibt beim gewohnten Bezahlsender. Gut für Abonnenten. Gewinner ist natürlich auch Eurosport, die auch schon Spiele anderer internationaler Ligen in ihrem Bezahlsender Eurosport2 übertragen und zukünftig an jedem Spieltag mindestens ein Bundesligaspiel zeigen werden.

Großer Verlierer ist: Sport1. Der Spartensender (und sein Vorgänger DSF) zeigten bisher die Montagsspiele der 2. Bundesliga live im Free-TV. Dieses Recht haben sie in Zukunft nicht mehr. Außerdem dürfen sie keine Zusammenfassungen der 2. Bundesliga am Freitag- bzw. Sonntagabend mehr zeigen. Darüber hinaus verlieren sie das Recht an der Online-Audioübertragung (bisher als sport1.fm) an – ich hatte es geahnt, dass sie mit einsteigen – Amazon. Das wird spannend, wie sich dieser große Playern in Zukunft weiter entwickeln wird und immer mehr in das (internationale) Fußballgeschäft vordringt. Einzig der Doppelpass mit einigen Highlights bleibt Sport 1 erhalten. Außerdem Verlierer sind die Telekom, die keinerlei Rechte bekommt und die BILD. Das ist die einzig gute Nachricht und man kann nur hoffen, dass in Zukunft noch weniger Leute BILD bzw. BILD+ Kunden sein werden, wenn sie nichtmal mehr die Zusammenfassung der Bundesligaspiele kurz nach Abpfiff sehen können. Jeder Abonnent, der diesem schlechterem Klopapierersatz abhanden kommt, ist noch immer einer zu wenig! 😉

Der größte Verlierer aber sind: wir Zuschauer! Nicht nur, dass man als Stadiongänger jetzt auch Montags ins Stadiom muss – und glaubt mir, das wird in Zukunft eher mehr als weniger werden – man muss jetzt neben einem Sky-Abo auch noch ein Eurosport-Abo abschließen. Natürlich, wer Sky über Satellit empfängt, der hat auch Eurosport2 inklusive. Zumindest bisher. Wer aber Sky nur über einen Kabelanschluss schauen kann, der muss zusätzlich zu seinen Kabelgebüren nun auch noch für Eurosport2 extra löhnen. Es werden also auch auf mich mehr Kosten zukommen, falls ich alle Spiele der Bundesliga im TV sehen möchte. Darüber hinaus muss irgendwer die gestiegenen Kosten an den Rechten ja auch bezahlen. Und auch das werden wir als Konsumenten sein. Das Skyabo wird also noch teurer werden.

Und kommt mir bitte nicht mit dem Argument, dass die Bundesliga gegenüber der Premier League nur so konkurrenzfähig bleiben kann. In der Premier League kann man als Fußballer schon seit je her mehr Geld verdienen als in der Bundesliga. Dennoch schaffen es englische Clubs in den letzten Jahren international kaum auch nur ein bisschen Aufsehen zu erregen. Der Tabellenneunte der PL kam vergangene Saison mit Glück und viel Leidenschaft ins Finale der Europaleague. Der Tabellendritte schied sang- und klanglos im Halbfinale der CL aus. Der Rest verabschiedete sich mehr oder weniger früh aus den internationalen Wettbewerben. Und Deutschland? Bayern im Halbfinale raus. Wolfsburg im Viertelfinale. Dortmund mit Pech und viel Unvermögen im Viertelfinale. So schlecht sind wir international also nicht aufgestellt im Vergleich zur Premier League. Und wenn englische Vereine für total überzogene Preise Spieler aus der Bundesliga kaufen, dann kommt das Geld „unseren“ Vereinen ja auch wieder zu Gute. Zudem wollen einige Vereine der PL die Eintrittspreise, die noch immer weit über unseren liegen, weiter erhöhen. Die Fernsehgelder reichen ihnen also nicht. Und selbst wenn es stimmen würde, dass die Premier League die Bundesliga immer mehr abhängt, ist es das dann trotzdem wert, dass sich der Fußball immer mehr von seiner Basis – uns Fans – entfernt?

Aber was soll’s? Eine Diskussion darüber wird in den Medien nicht stattfinden. Schließlich profitieren auch sie davon. Und außerdem beginnt heute die Fußball-EM. Es gibt also wichtigeres…

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